Warnzeichen
Fake-Profile erkennen: sechs Warnzeichen laut Polizei
Ein einzelnes Zeichen beweist nichts. Treffen mehrere zusammen, sollten Sie sehr vorsichtig werden. Das wichtigste ist laut LKA Sachsen die Bitte um Geld.
Kein Video
Treffen und Videocall fallen immer aus
Die Polizei Hamm rät, misstrauisch zu werden, wenn die Person keine Treffen oder Videoanrufe zulässt. Auch die Schweizerische Kriminalprävention nennt das als Warnsignal.
Polizei NRW, SKP
Nach Tagen
Große Liebe ohne Begegnung
Schnelle, intensive Liebesbekundungen und emotionaler Druck, bevor Sie sich je gesehen haben.
Polizei Hamm, LKA Sachsen
Notlage
Plötzlich wird Geld gebraucht
Krankheit, Unfall, Haft oder Ärger auf einer Geschäftsreise. Laut LKA Sachsen das wichtigste Anzeichen überhaupt.
LKA Sachsen, SKP
Messenger
Schnell raus aus der App
Der Kontakt soll bald in einen anderen Chat wechseln, oft auf Englisch. Dort greifen die Schutzfunktionen der Plattform nicht mehr.
LKA Sachsen
Fragen
Viele persönliche Fragen
Nach Hobbys, Ex-Partner, Kindern und Religion. Was Sie erzählen, nutzen Täter, um Nähe vorzutäuschen.
LKA Sachsen
Zu schön
Fotos wie aus dem Katalog
Gestohlene oder KI-generierte Bilder, „unnatürlich“ professionell. Ein Profil, das zu gut ist, um wahr zu sein.
LKA Sachsen, Verbraucherzentrale
Love-Scammer
- wollen Ihr Geld, oft erst nach Wochen oder Monaten
- bauen gezielt Vertrauen und Abhängigkeit auf
- bitten auch, Pakete weiterzuleiten, Schecks einzulösen oder Ausweiskopien zu schicken
- drohen im Extremfall mit Suizid, um Druck zu machen
Lockprofile auf Portalen
- sollen Sie zum Schreiben und damit zum Bezahlen bringen
- die Verbraucherzentrale warnt allgemein vor Portalen, auf denen Fake-Profile flirten
- SRF Kassensturz berichtete 2018 über Animateure beim Portal „The Casual Lounge“
- Schutz: vor dem Kauf AGB lesen und prüfen, was eine Nachricht kostet, mehr unter Abo-Fallen
Profil prüfen
So prüfen Sie ein verdächtiges Profil in fünf Minuten
Bevor Sie Gefühle investieren: diese Schritte kosten nichts und bringen oft sofort Klarheit.
- Bilder-Rückwärtssuche
Speichern Sie das Profilfoto oder machen Sie einen Screenshot. Laden Sie es in die Bildersuche einer Suchmaschine hoch, etwa Google Lens. Taucht es unter anderen Namen auf, ist das Profil falsch.
- Namen mit „Scammer“ googeln
Geben Sie Namen und das Wort „Scammer“ oder „Romance Scam“ ein. Oft haben andere Betroffene die Person schon gemeldet.
- Videocall verlangen
Ein kurzer Videoanruf ist der einfachste Echtheitstest. Ausreden wie kaputte Kamera oder schlechtes Netz über Wochen sind ein klares Signal.
- Details abgleichen
Passen Beruf, Wohnort, Alter und Fotos zusammen? Widersprüche sind ein guter Grund, nachzufragen und vorsichtig zu bleiben.
- Eine neutrale Person fragen
Zeigen Sie den Chat einer Freundin oder einem Angehörigen. Die Polizei rät ausdrücklich dazu, denn von außen fallen Muster schneller auf.
Was die Plattformen selbst prüfen
Viele Anbieter prüfen Profile automatisch oder von Hand, einige bieten eine kostenlose Verifizierung an. Das senkt das Risiko, schließt Betrug aber nicht aus. Ein Haken am Profil ersetzt nicht Ihre eigene Vorsicht. Mehr zu den Anbietern: Partnervermittlungen und Dating-Apps.
| Anbieter | Prüfung laut Anbieter |
|---|---|
| ElitePartner | jede Anmeldung von Hand, bei Betrugsverdacht immer zusätzlich manuell |
| LemonSwan | Prüfung von Hand, ID-Check für alle kostenlos |
| Parship | automatisiert, SMS- und ID-Verifizierung freiwillig |
| 50plus-Treff | jedes Profil von Hand |
| Bumble | Ausweis-Verifizierung kostenlos |
| Hinge | Selfie-Verifizierung |

Typischer Verlauf
So läuft Love-Scam meistens ab
Der Verlauf folgt fast immer demselben Muster, das LKA und Polizei beschreiben. Wer es kennt, erkennt es früher.
- 1Erster KontaktEin attraktives Profil schreibt Sie an, freundlich, interessiert, viele Fragen über Ihr Leben.
- 2Wechsel in den MessengerNach wenigen Nachrichten soll es per WhatsApp oder E-Mail weitergehen, angeblich weil die App „nervt“.
- 3Große GefühleTägliche Nachrichten, Kosenamen, Zukunftspläne. Ein Treffen scheitert immer an etwas.
- Die NotlageEin Unfall, eine Rechnung, eine Gebühr. Nur ein kleiner Betrag, dann ein größerer. Spätestens hier: Kontakt abbrechen.
„Ich habe noch nie so schnell so viel für jemanden empfunden. Du bist mein Schicksal.“
„Hier im Camp ist das Netz zu schlecht für Video, aber bald bin ich bei dir.“
„Mein Konto ist im Ausland gesperrt, ich brauche nur 1.800 € für das Krankenhaus. Du bekommst alles zurück.“
Drei Warnzeichen in drei Sätzen: Liebe ohne Treffen, kein Video, Geldbitte
Was tun
Was Sie tun, wenn Sie betroffen sind
Scham ist verständlich, aber sie hilft nur den Tätern. Betroffen sind Frauen wie Männer, Jüngere wie Ältere. Handeln Sie schnell, damit die Bank eine Überweisung vielleicht noch zurückholen kann.
- Kontakt abbrechenKeine Erklärung, keine letzte Zahlung, auch nicht bei Drohungen.
- Beweise sichernScreenshots von Profil und Chats, Namen, Telefonnummern, Überweisungsbelege.
- Bank anrufenFragen Sie, ob sich die Zahlung zurückholen lässt.
- Anzeige erstatten und Plattform informierenBei der Polizei vor Ort oder online. Melden Sie das Profil zusätzlich beim Anbieter.
- Hilfe holenSprechen Sie mit einer Vertrauensperson. Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter 116 016 hilft auch bei digitaler Gewalt.

Bittet Sie jemand, Geld über Ihr Konto weiterzuleiten oder Pakete weiterzuschicken, warnt das LKA Sachsen: Sie riskieren dann selbst Ermittlungen wegen Geldwäsche. Auch wenn Sie es aus Liebe getan haben.
Zahlen
Love-Scam ist kein Randphänomen
Eine bundesweite Statistik gibt es in Deutschland nicht, die Strafverfolgung ist Ländersache. Die Zahlen, die es gibt, zeigen hohe Schäden und eine große Dunkelziffer.
Fragen
Häufige Fragen zu Fake-Profilen und Love-Scam
Sicher ist, wer früh skeptisch wird. Wie Sie ein erstes Treffen sicher planen, lesen Sie in den Tipps fürs erste Date.
Antworten
Wie erkenne ich ein Fake-Profil beim Online-Dating?
An mehreren Zeichen zugleich: zu perfekte Fotos, schnelle Liebeserklärungen, der Wunsch, rasch in einen Messenger zu wechseln, keine Treffen und keine Videoanrufe und irgendwann eine Notlage mit Bitte um Geld. Eine Bilder-Rückwärtssuche zeigt oft, dass die Fotos jemand anderem gehören.
Was ist Love-Scamming?
Love-Scamming oder Romance Scam ist Betrug mit vorgetäuschter Liebe. Täter bauen über Dating-Plattformen oder soziale Netzwerke eine Beziehung auf und bitten nach Wochen oder Monaten um Geld. Laut Schweizerischer Kriminalprävention sind über 90 % der Täter Männer.
Wie funktioniert die Bilder-Rückwärtssuche?
Sie speichern das Profilfoto oder machen einen Screenshot und laden es in die Bildersuche einer Suchmaschine hoch, etwa mit Google Lens. Die Suche zeigt, wo das Bild sonst im Internet vorkommt. Erscheint es unter anderen Namen oder auf Stockfoto-Seiten, ist das Profil sehr wahrscheinlich falsch.
Ich habe schon Geld überwiesen. Was jetzt?
Brechen Sie den Kontakt sofort ab, sichern Sie Chats und Belege und rufen Sie Ihre Bank an, um die Zahlung wenn möglich zurückzuholen. Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei und melden Sie das Profil beim Anbieter. Überweisen Sie auch dann nichts mehr, wenn Ihnen jemand verspricht, das Geld zurückzuholen.
Wie viele Menschen sind von Love-Scam betroffen?
Für Deutschland gibt es laut Bundesregierung keine bundesweite Statistik. In Baden-Württemberg entstand 2024 ein Schaden von rund 18 Mio. €, in Sachsen gab es 2023 368 Fälle mit 4,6 Mio. € Schaden. In der Schweiz zählt die Kriminalprävention rund 700 Meldungen pro Jahr, bei einer etwa 20-mal höheren Dunkelziffer.
Gibt es Fake-Profile auch bei Parship oder ElitePartner?
Keine Prüfung ist lückenlos. ElitePartner prüft laut eigener Angabe jede Anmeldung von Hand, Parship automatisiert mit freiwilliger SMS- und ID-Verifizierung. Das senkt das Risiko, ersetzt aber nicht die Warnzeichen auf dieser Seite. Mehr zu den Anbietern: Partnersuche ab 60.
Quellen und Stand
- Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage, BT-Drs. 21/3289 vom 16.12.2025 (keine Bundesstatistik, Hilfetelefon 116 016)
- LKA Baden-Württemberg laut dpa/Schwäbische vom 20.02.2026; LKA Sachsen, Medieninformation vom 10.05.2024 (Fälle 2023, Warnzeichen, Geldwäsche)
- Schweizerische Kriminalprävention, berichtet von Bluewin am 27.02.2025; BFS, Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, Medienmitteilung vom 23.03.2026
- Polizei Hamm zu Love-Scamming; Verbraucherzentrale, Onlinedating: Achtung Fake und Ratgeber zu Fake-Profilen auf Portalen (Stand 01.10.2025)
- SRF Kassensturz, „Lust auf kein Abenteuer“, 18.05.2018
- Anbieterangaben: elitepartner.de und DSA-Transparenzbericht 2025, parship.de, lemonswan.com, 50plus-treff.de, App Store Deutschland (Bumble, Hinge), abgerufen am 4. November 2026
- Die Beispielnachrichten auf dieser Seite sind frei formuliert und stammen nicht aus echten Chats.
